Und schon wieder hat irgendein Verrückter in den USA um sich geballert...
von Spiegel.de
Amoklauf in High School - Zehn Tote
Die schrecklichen Bilder erinnern an das Blutbad in der Columbine High School und den Amoklauf von Erfurt: Mindestens neun Menschen hat ein Schüler in einem Indianer-Reservat des US-Bundesstaates Minnesota erschossen. Anschließend tötete er sich selbst.
Schockierte Schüler an der High School in Red Lake: Der Todesschütze soll gegrinst und gewunken haben, bevor er abdrückte
Red Lake - Der Schüler hat nach Polizeiangaben zuerst seinen Großvater und dessen Freundin getötet, die in einem nahe gelegenen Haus erschossen aufgefunden wurden. Bei der anschließenden Schießerei in der High School im Reservat Red Lake kamen mindestens fünf Schüler, eine Lehrerin und ein Wachmann ums Leben. Bis zu 15 weitere Menschen wurden verletzt, teilte Paul McCabe von der Bundeskriminalpolizei FBI mit. Es sei noch zu früh, über das Motiv zu spekulieren, betonte McCabe.
Der Leiter der Feuerwache von Red Lake, Roman Stately, teilte mit, der Großvater des Schülers habe als Polizist in dem von Ojibwa-Indianern bewohnten Reservat gearbeitet. Der Junge habe möglicherweise dessen Waffe für seinen Amoklauf verwendet. Er habe zwei Handfeuerwaffen sowie ein größeres Gewehr bei sich gehabt.
Einem Bericht der "Seattle Times" zufolge soll es sich bei dem Todeschützen um den 15 Jahre alten Schüler Jeff Wiese handeln. Angestellte der Schule beschreiben Wiese als "verwirrten Jungen", der das ganze Jahr über lange schwarze Mäntel getragen habe und "im Leben verloren" gewirkt habe. "Er war ziemlich intelligent, aber in der Schule sehr faul. Nur für Videospiele konnte er sich begeistern. Er sich ständig Notizen gemacht, die irgendwie dunkel und böse waren", zitiert die Zeitung einen Mitarbeiter der High School. Auch habe Wiese die Musik des Schockrockers Marilyn Manson gemocht.
Wie die "St. Paul Pioneer Press" berichtet, soll sich Wieses Vater vor vier Jahren umgebracht haben. Die Mutter des 15-Jährigen lebe in einem Pflegeheim, nachdem sie bei einem Verkehrsunfall schwere Hirnschäden erlitten hätte.
US-Fernsehsender zitierten einen Polizisten mit den Worten, der Junge habe in der Schule zunächst den Sicherheitsmann getötet, dann in einem Flur die Lehrerin und anschließend in einem Klassenzimmer die Waffe auf seine Mitschüler gerichtet, bevor er sich selbst erschoss. Rund eine Stunde nach dem Blutbad in der Schule seien in einem Haus die Leichen der Großeltern entdeckt worden, hieß es weiter.
Eine Lokaljournalistin, die mit Schülern und Lehrern gesprochen hatte, berichtete, dass der Amokläufer seine Opfer offenbar willkürlich auswählte: "Er richtete seine Waffe auf einen Jungen, überlegte es sich dann aber anders, winkte ihm lächelnd zu und erschoss jemand anderen." Ein Schüler sagte einem lokalen Fernsehsender, der Täter habe bereits vor einem Jahr davon gesprochen, die Schule "zusammenschießen" zu wollen. Das Gebäude wurde evakuiert und bis auf weiteres geschlossen.
Die Polizei geht davon aus, dass es sich bei dem Jugendlichen um einen Einzeltäter handelt. Die Todesopfer seien alle in einem Raum erschossen worden. Alarmiert wurde die Polizei von Schülern, die über ihre Handys um Hilfe riefen. Polizisten hätten sich dann einen Schusswechsel mit dem Täter geliefert, bevor dieser sich in einem Klassenraum selbst erschossen habe.
Es war die schwerste Bluttat an einer amerikanischen Schule seit dem Massaker an der Columbine High School. In dieser Schule in Littleton im Staat Colorado töteten zwei Jugendliche im April 1999 zwölf Schüler sowie einen Lehrer und verwundeten 23 weitere Menschen, bevor sie sich selbst erschossen. Die letzte Schießerei mit tödlichem Ausgang an einer US-Schule ereignete sich wie die jüngste Tat in Minnesota. Im September 2003 wurden in Cold Spring zwei Jugendliche von einem Mitschüler erschossen. Der damals 15-jährige mutmaßliche Täter wartet noch auf sein Urteil. Vor fast genau vier Jahren erschoss ein ebenfalls 15-Jähriger im kalifornischen San Diego zwei Mitschüler und verletzte 13 weitere. Er muss lebenslang im Gefängnis sitzen.
Das Reservat im Norden Minnesotas beheimatet die ärmsten Indianerstämme in dem Bundesstaat, berichtete die Zeitung "Minnesota Star Tribune". Sämtliche 355 Schüler von Red Lake High seien indianischer Abstammung. In Red Lake lebt rund die Hälfte der 10.000 Angehörigen des Ojibwa-Stammes. Eine der wenigen Einnahmequellen ist ein kleines Spielcasino. Viele Bewohner verdienen sich ihren Lebensunterhalt mit dem Anbau von Wildreis und durch Fischfang.
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