METAL HAMMER INTERVIEW: METALLICA, SINFONIE DER GEÄCHTETEN | 21.08.2020

  • Metal Hammer - September Ausgabe 2020
    Metal Hammer - September Ausgabe 2020
    In einem aktuellen Interview mit dem Metal Hammer haben sich Kirk und Rob zu S&M2 geäußert:


    S&M2 wirkt wie aus einem Guss, Band und Orchester bilden eine kraftvolle Einheit und bieten eine sagenhafte Show, in der neben den erwartbaren Metallica-Klassikern auch viel Platz für spezielle Momente bleibt.


    METAL HAMMER: Lars hatte an S&M kritisiert, dass sich Metallica im Vorfeld nicht genügend eingebracht hätten. Könnt ihr die Selbstkritik nachvollziehen?


    Kirk Hammett: Metallica und das Orchester bilden jetzt eine ganz andere Einheit als auf S&M. Daher ist die Kritik absolut zutreffend. Das beginnt bereits beim Setting: 1999 hat das Orchester hinter uns gesessen, jetzt spielen wir genau in seiner Mitte. Dementsprechend gab es sehr oft Augenkontakt und viel öfter Interaktionen. Genau das fehlt auf S&M. Deswegen ist meiner Meinung nach die gesamte Performance nun sehr viel besser.


    Rob Trujillo: Wie ich das sehe, stellt S&M2 ein klares Upgrade zu S&M dar. Wenn man etwas zum ersten Mal probiert, kommt es immer zu ungeklärten Problemen. Es gibt eine Lernkurve, Fehler, die gemacht wurden, et cetera. Da geht es auch mitunter um technische Fragen. Wie stimme ich meine Gitarre, damit ich mich nicht mit den Klassischen Instrumenten beiße? Nach S&M gab es einiges zu diskutieren. S&M2 klingt für meine Ohren dichter und homogener. Wir haben aus den Fehlern des Vorgängers gelernt.


    MH: Wurden die Original-Arrangements von Michael Kamen verändert?


    RT: Es war ein Mix. Einiges haben wir behalten, anderes modernisiert. Wir wollten an diesem Abend auch das Erbe von Michael Kamen feiern. James war der nervöseste von uns allen im Vorfeld dieser zwei Konzerte. Er fragte Kirk und mich während der Deutschland-Konzerte, ob wir angesichts S&M2 nervlich angespannt seien, und sagte: „Leute ich, bin echt aufgeregt!“ ‘The Unforgiven III’ stellte eine Herausforderung für ihn dar: Er musste ohne Gitarre an das Mikro treten und nur seine Stimme wirken lassen. Dieser Moment war sehr speziell.


    KH: Es war einfach wundervoll, ich habe jede Sekunde genossen. Wenn wir etwas Neues probieren können, bin ich immer dafür. Es ist wichtig, andere Ansätze zu suchen, sonst wird man als Künstler schnell langweilig. James hat mich mit der Performance von ‘The ­Unforgiven III’ echt umgehauen. Er stand quasi nackt auf der Bühne. Aber auch das Orchester beeindruckte mich – denn der Soloteil ist technisch ein harter Brocken.


    RT: Wir standen als Band an dem Bühnenrand, um ihn zu unterstützen. Das Interessante an James ist, dass er ein unfassbar begnadeter Musiker ist, sowohl als Sänger als auch als Gitarrist, aber das gar nicht realisiert. Er unterscheidet sich im Spiel stark von Kirk und hält sich nicht für einen richtig guten Sologitarristen. James definiert sich als Rhythmusgitarrist, aber wenn er sich auf etwas fokussiert, kann er in allen Bereichen Großartiges leisten.


    MH: So wie im Solo von ‘Nothing Else Matters’.


    RT: Exakt! James besitzt viel Selbstvertrauen, aber es gibt auch Momente, in denen er zweifelt und den Druck spürt.


    MH: Habt ihr während der Konzerte zu S&M2 schon gewusst, dass James eine weitere Entziehungskur antreten würde?


    RT: Wir hatten allesamt keine Ahnung, dass James wieder in den Entzug muss. Er hat es uns genau einen Tag nach diesen beiden Konzerten gesagt. Es fühlte sich komplett surreal an. Wenn man so lange auf Tour miteinander unterwegs ist, bemerkt man die Veränderungen nicht. Rückblickend kann ich sagen, dass wir einige eklatante Warnzeichen bei James nicht wahrgenommen haben. Und natürlich frage ich mich, ob ich hätte helfen können. Es ist aber schwer, Menschen zu helfen, die wissen, dass sie ein Problem haben, weil sie es verheimlichen können. Die Europa-Shows liefen perfekt und es schien, als ginge es James super – aber die Wahrheit war eine andere. Diese Nachricht nach den beiden Auftritten in San Francisco zu erhalten, war nichts anderes als ein Schock.


    KH: Wir alle haben menschliche Schwächen und begehen Fehler, trotzdem war es eine komplette Überraschung für uns. James hatte auch auf der Tour immer abgeliefert. Wenn man jemandem jeden Tag über Monate begegnet, kann man auch mal Veränderungen übersehen. Genau das ist passiert. Wichtig ist es, den Menschen dann den Rücken zu stärken und die nötige Zeit zu geben, um wieder in die Spur zu finden. James musste seine Probleme angehen.


    MH: Wie geht es James aktuell?


    RT: Er macht auf mich einen sehr guten Eindruck. Ich würde sagen, James ist in der besten Form seit vielen Jahren. Er wirkt total fokussiert und ist motiviert, als Person weiter zu wachsen.


    KH: Absolut. Ihm geht es mittlerweile wieder richtig gut.


    Das komplette Interview mit Gitarrist Kirk Hammett und Bassist Rob Trujillo von Metallica findet ihr in der aktuellen METAL HAMMER-Septemberausgabe.

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